Im WM-Finale 2014 bereitete er das Siegtor von Mario Götze vor und war auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Doch die beendete André Schürrle ungewöhnlich früh. Nun spricht er über die Gründe. Im Jahr 2020 hatte Weltmeister André Schürrle seine Laufbahn als Fußballprofi beendet – mit gerade einmal 29 Jahren. Das überraschte nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch sein Umfeld, wie er nun Interview mit dem "ZEITmagazin MANN" offenbarte: "Du willst uns doch verarschen, du lebst das beste Leben, verdienst so viel Geld - und du hörst auf? Mit 29?" Das sei damals der Tenor gewesen. Für ihn selbst sei die Entscheidung jedoch nicht kurzfristig gefallen. Schürrle: "Ich wusste, dass ich nicht mehr in diesem Hamsterrad sein wollte. Mir immer wieder diese Liebe und diese Bestätigung von außen holen zu müssen. Diese Fremdbestimmung." Nationalmannschaft: Julian Nagelsmann nominiert erstmals diesen Bayern-Profi Selbst den WM-Titel 2014 hat er nach eigener Aussage nicht genießen können. Nach dem Finale habe er vor allem daran gedacht, wie er aus dem ganzen Trubel herauskomme. Kurz darauf sei im Urlaub das nächste Grübeln gefolgt: "Scheiße, nur noch zwei Wochen Urlaub, dann muss ich in London auftauchen, und alles fängt wieder von vorne an." Erst später habe er verstanden, welche Bedeutung der WM-Titel für viele Menschen hatte. Heute sucht Schürrle gezielt Grenzerfahrungen. Bei einer nächtlichen Bergtour bei minus 20 Grad habe er erkannt, worauf es ihm ankommt. Er sagte: "Man muss spüren, dass man selbst entscheidet, weiterzugehen. Nicht der Körper, nicht das Ego, kein Trainer, kein Fan, sondern nur man selbst." In solchen Momenten stünden für ihn einfache, grundlegende Fragen im Mittelpunkt – etwa, ob er seinem Sohn den Gute-Nacht-Kuss gegeben hat und ob er der Vater war, der er sein will. Schürrle: "Hatte immer wieder das Gefühl, da ist noch mehr" Aktuell trainiert der frühere Flügelstürmer für den Marathon des Sables. Das Rennen führt über sieben Tage durch die marokkanische Sahara, umfasst 250 Kilometer und findet bei Temperaturen von bis zu 40 Grad statt. Mehr als fünf Millionen Menschen verfolgen ihn inzwischen in den Sozialen Medien. Sein Antrieb hat sich dabei verändert. Schürrle sagt: "Ich hatte immer wieder das Gefühl, da ist noch mehr." Seine Profikarriere hatte er 2009 bei Mainz 05 unter Trainer Thomas Tuchel begonnen. 2011 wechselte er für 14 Millionen Euro zu Bayer Leverkusen . Zwei weitere Jahre später schloss er sich für 22 Millionen Euro dem FC Chelsea an. Im Februar 2015 folgte die Rückkehr in die Bundesliga zum VfL Wolfsburg , im Sommer 2016 ging er für 30 Millionen Euro Ablöse zu Borussia Dortmund . Zudem spielte er auf Leihbasis für Fulham und Spartak Moskau , ehe er 2020 seinen Vertrag in Dortmund auflöste. In der Bundesliga absolvierte Schürrle 207 Spiele und erzielte 51 Tore. Für die Nationalmannschaft kam er auf 57 Einsätze und 22 Treffer.