Die USA und Israel haben den Iran angegriffen. Wie begründet US-Präsident Trump den Einsatz? Ein Überblick. David Schafbuch berichtet aus New York Es hatte sich bereits seit Längerem abgezeichnet: Heute Morgen haben die USA gemeinsam mit Israel einen Militärschlag gegen den Iran ausgeführt . Zunächst hatte die israelische Regierung einen entsprechenden "Präventivschlag" verkündet. In der Nacht von Freitag auf Samstag bestätigte dann US-Präsident Donald Trump die Beteiligung der USA in einer Videoansprache auf der Plattform Truth Social . Wie begründet der US-Präsident den Militärschlag auf den Iran ? Drei Erkenntnisse aus Trumps Rede: Trump spannt einen großen historischen Bogen In den vergangenen Wochen war es der US-Regierung in den Verhandlungen mit Teheran um drei Dinge gegangen: die Einstellung des iranischen Atomprogramms, die Reduzierung der Zahl ballistischer Raketen und das Ende der Unterstützung iranischer Stellvertreterorganisationen (Hisbollah, Hamas oder Huthis) im Nahen Osten. USA und Israel greifen Iran an: Alle Entwicklungen im Newsblog Diese Punkte greift Trump in seiner Rede wieder auf. Man werde die Raketenindustrie zerstören oder sicherstellen, dass der Iran niemals in Besitz von Nuklearwaffen gelange, macht Trump deutlich. Zudem wolle man dafür sorgen, dass der Iran und dessen Stellvertretergruppen keine Menschen mehr töten können. Doch er geht mit seinen Worten auch weit über die aktuelle Situation hinaus. Der US-Präsident spannt einen größeren historischen Bogen, um die seit Jahrzehnten ausgehende Bedrohung des Iran darzustellen: Er verweist auf die Geiselnahme in der amerikanischen Botschaft in Teheran 1979, auf den Sprengstoffanschlag auf das Militärschiff "USS Cole" im Jemen im Jahr 2000 sowie auf die Terroranschläge der Hamas auf Israel 2023, die vom Iran unterstützt wurden. Trump bezeichnet das Land als "weltweit führende staatliche Förderer von Terrorismus". Der Iran ist aus der Sicht des US-Präsidenten allerdings nicht nur eine Gefahr für die USA, sondern auch die Wurzel allen Übels im Nahen Osten: Das Regime bedrohe damit nicht nur die USA und die Region, sondern auch "enge Verbündete und Freunde" in Europa. Mit den Worten will Trump deutlich machen: Es geht ihm um weit mehr, als die militärischen Kapazitäten des Iran nur kurzfristig zu schwächen, sondern um eine grundsätzliche Neuordnung des Landes. Trump spricht von Krieg mit offenem Ende Bislang war der US-Präsident dafür bekannt, kein Freund länger angelegter Militäreinsätze zu sein. Trump hatte seinen Wahlkampf 2024 auch damit bestritten, dass unter seiner Regentschaft die Zeit größerer Militärinterventionen durch die USA vorbei sein werde. Auch stellt Trump regelmäßig seine eigenen diplomatischen Bemühungen für Frieden in verschiedenen Regionen der Welt heraus. Das bedeutet nicht, dass unter Trump das US-Militär untätig war: Bislang waren die Einsätze der US-Soldaten allerdings immer auf kurze Dauer und schnellen Erfolg angelegt. Exemplarisch steht dafür die Bombardierung der iranischen Atomanlagen im vergangenen Jahr oder die Absetzung des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro Anfang Januar. Ob das auch auf den aktuellen Einsatz im Iran zutreffen wird, lässt Trump in seiner Rede offen. Auf die Dauer der Operation geht der Präsident nicht ein. Experten hatten in den vergangenen Monaten wiederholt davor gewarnt, dass ein weiterer US-Militärschlag gegen das Land in einen länger andauernden Krieg münden könnte. Nach dem Sturz Maduros hatte die US-Regierung noch herausgestellt, dass kein US-Soldat bei dem Einsatz getötet wurde. Diesmal betonte Trump bereits im Vorfeld, dass es anders kommen könnte. Und: Er spricht in seiner Rede von einem "Krieg", den die USA führen: "Mutige, amerikanische Helden" könnten bei dem Einsatz ums Leben kommen, aber "das passiere oft während eines Krieges." Gleichzeitig eröffnet Trump auch hier eine längerfristige Perspektive: Dieser Einsatz dient laut Trump nicht der Gegenwart, sondern der Zukunft und sei "eine edle Mission". Trump nimmt das iranische Volk in die Pflicht Lange wurde darüber spekuliert, ob die USA einen Regimewechsel im Iran anstreben. Auch Trump hatte diesen Gedanken wiederholt öffentlich geäußert. Noch Mitte Februar sprach der US-Präsident davon, dass ein Machtwechsel das Beste sei, was dem Land passieren könnte. Dass die USA die iranische Führung stürzen wollen, spricht Trump nicht explizit aus. Das iranische Staatsoberhaupt Ajatollah Chamenei erwähnt Trump mit keinem Wort. Das kann auf der einen Seite bedeuten: Chamenei ist nicht das primäre Ziel. Wahrscheinlicher ist aber, dass Trump dem iranischen Machthaber und dessen Machtapparat für die Zukunft des Landes keine Bedeutung mehr zumisst. Laut israelischen Medienberichten sollen die ersten Angriffe tatsächlich auf Chamenei abgezielt haben. Auch das Stadtviertel, in dem sich Chameneis Amtssitz befindet, soll zu den ersten Zielen gehört haben. Trump richtet sich direkt an die iranische Revolutionsgarde, Polizei und weitere Streitkräfte des Landes und fordert sie zur Kapitulation auf: Man garantiere in dem Fall volle Immunität, ansonsten würden die Truppen "dem sicheren Tod ins Auge sehen". Ebenso richtet sich Trump direkt an das iranische Volk: Er verurteilt erneut die jüngst niedergeschlagenen Proteste und solidarisiert sich mit iranischen Bürgern. Man solle sich für den Moment in Sicherheit bringen. Aber die "Stunde der Freiheit" sei jetzt für die Menschen gekommen: "Wenn wir fertig sind, übernehmt eure Regierung", fordert Trump das iranische Volk auf. Es könnte laut Trump "wahrscheinlich die einzige Chance für Generationen" sein. Auch hier unterscheidet sich der Ton deutlich von dem, den Trump und seine Regierungsmitglieder etwa beim Sturz Maduros angeschlagen haben: Damals hatte die US-Regierung davon gesprochen, man werde zunächst selbst die Geschicke des Landes steuern. Im Iran stellt Trump jetzt die Verantwortung der dortigen Bürger heraus. Die Aussagen decken sich auch mit denen seines engsten Verbündeten. Auch Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach in einer ersten Reaktion davon, der gemeinsame Angriff diene dazu, Voraussetzungen dafür zu "schaffen, dass das mutige iranische Volk sein Schicksal selbst in die Hand nimmt".