Viele Gebrauchtwagenkäufer sorgen sich bei E-Autos um den Batteriezustand. Eine neue Auswertung zeigt nun, wie es um die Haltbarkeit wirklich steht. Wie fit ist die Batterie noch – nach Jahren im Alltag und mit fünf- oder gar sechsstelliger Laufleistung? Solche Fragen halten derzeit noch viele Interessenten davon ab, zum gebrauchten E-Auto zu greifen, obwohl die Preise niedrig sind: Immer mehr Elektroautos kommen als Leasingrückläufer auf den Gebrauchtmarkt. Es handelt sich meist um junge Fahrzeuge mit dokumentierter Wartung und nur einem Vorbesitzer. Gleichzeitig verlieren Elektroautos schneller an Wert als viele Verbrenner. Nach drei Jahren erreichen Benziner und Diesel häufig noch rund 60 Prozent ihres Neupreises, E-Autos eher etwa 50 Prozent. Grund ist vor allem der schnelle technische Fortschritt mit größeren Batterien und höheren Reichweiten. Für Käufer bedeutet das: Junge gebrauchte Stromer sind oft günstiger zu haben als vergleichbare Verbrenner. Sorgen um den Akku sind in der Regel unberechtigt. Hohe Restkapazitäten auch bei älteren Modellen Eine neue Auswertung des britischen Prüfspezialisten Generational+ liefert dazu umfangreiche Daten. Für den "2025 Battery Performance Index" wurden mehr als 8.000 Batteriechecks aus dem Jahr 2025 analysiert. Untersucht wurden Pkw und leichte Nutzfahrzeuge der Baujahre 2013 bis 2025 mit Laufleistungen zwischen null und rund 258.000 Kilometern. Vertreten waren Modelle von 36 Herstellern – vom reinen Batterieauto bis zum Plug-in-Hybrid. Das Ergebnis: Über alle ausgewerteten Fahrzeuge hinweg lag die durchschnittliche Restkapazität der Hochvoltbatterien bei 95,15 Prozent. Selbst acht bis neun Jahre alte Elektroautos erreichen im Median noch rund 85 Prozent. Auch hohe Laufleistungen relativieren die Sorge vor vorzeitigem Verschleiß. Fahrzeuge mit mehr als 100.000 Meilen – umgerechnet rund 160.000 Kilometern – kommen häufig noch auf 88 bis 95 Prozent Batteriezustand. Laut Generational+ taugt die Kilometerleistung allein nicht als verlässlicher Indikator für die Batteriegesundheit: Unterschiede zeigen sich auch nach Marke und Modell. Andere Untersuchungen kommen zu ähnlichen Ergebnissen Mit diesen Resultaten steht Generational+ nicht allein da. Mehrere Studien und Praxistests zeichnen ein vergleichbares Bild. Die Unternehmensberatung P3 wertete reale Daten von mehr als 7.000 Fahrzeugen aus und ergänzte sie um über 60.000 Kapazitätstests des Diagnostikanbieters Aviloo. Der sogenannte "State of Health" (SoH) – also der Gesundheitszustand der Batterie – sinkt demnach in den ersten rund 30.000 Kilometern von 100 auf etwa 95 Prozent. Danach stabilisiert sich der Wert. Bei 100.000 Kilometern lag der SoH im Schnitt noch bei rund 90 Prozent. Auch die Dekra hat inzwischen mehr als 25.000 entsprechende Tests durchgeführt. Das Ergebnis fällt ähnlich aus: Die meisten Batterien zeigen selbst bei höheren Laufleistungen einen guten Zustand. Allerdings sind Fahrzeuge mit mehr als 200.000 Kilometern bislang statistisch noch vergleichsweise selten erfasst. Ein VW ID.3 absolvierte im Langzeittest des ADAC 160.000 Kilometer . Der gemessene SoH lag danach bei 91 Prozent. Das Fahrzeug wurde regelmäßig auf 100 Prozent geladen und häufig an Schnellladesäulen genutzt. Trotz des messbaren Kapazitätsverlusts blieb die reale Reichweite weitgehend stabil. Softwareupdates verbesserten im Testverlauf zudem die Effizienz. Der Dauertest dokumentierte allerdings auch typische Verschleiß- und Elektronikprobleme. Eine Studie der Stanford-Universität untersuchte Batterien unter sogenannten dynamischen Zyklen – also mit wechselnden Lade- und Ruhephasen, wie sie im Alltag üblich sind. Unter diesen Bedingungen verschleißen Batterien langsamer als bei konstanten Laborbelastungen. Unregelmäßiges Laden wirkt sich demnach weniger stark aus als lange angenommen. Heißt: Die Akkus halten länger, als selbst die Hersteller aufgrund ihrer Labortests bislang vermuteten. Eine internationale Auswertung der Universitäten Birmingham, San Diego und Bern analysierte Daten von 29,8 Millionen Fahrzeugen. Elektroautos erreichen demnach eine durchschnittliche Lebensdauer von 18,4 Jahren. Benziner kommen auf 18,7 Jahre, Diesel auf 16,8 Jahre. Die durchschnittliche Laufleistung von E-Autos lag bei rund 200.000 Kilometern. So bleibt der Akku lange leistungsfähig Wie schnell eine Batterie altert, hängt stark vom Umgang ab. Extreme Temperaturen beschleunigen den Kapazitätsverlust. Ein Stellplatz im Schatten (im Sommer) oder in der Garage (vor allem im Winter) kann helfen. Auch das Ladeverhalten spielt eine Rolle. Häufiges Schnellladen belastet die Batterie etwas stärker als langsames Laden. Viele Hersteller empfehlen, den Ladezustand im Alltag zwischen etwa 30 und 80 Prozent zu halten und das Fahrzeug bei längerer Standzeit nicht vollgeladen abzustellen. Sinnvoll ist es zudem, möglichst kurz vor der Abfahrt zu laden. Darauf sollten Käufer gebrauchter E-Autos achten Beim Gebrauchtkauf entscheidet vor allem der Zustand der Batterie über Wert und Alltagstauglichkeit . Maßgeblich ist der "State of Health", den viele Händler mittlerweile angeben. Viele Hersteller gewähren auf die Batterie Garantien von meist acht Jahren oder 160.000 Kilometern. Ein Blick in die Garantiebedingungen ist daher ratsam. Neben dem Akku sollten Reichweite und Ladeleistung zum eigenen Fahrprofil passen. Ältere Modelle schaffen teils deutlich geringere Distanzen und laden langsamer als aktuelle Fahrzeuge. Auch Fahrwerk, Bremsen und Ladebuchse verdienen Aufmerksamkeit – insbesondere bei Fahrzeugen mit hoher Laufleistung.