Sie fiebern auf den Moment der Medaillenübergabe hin. Doch viel können die Athleten mit ihrer Trophäe nicht machen, wenn sie unversehrt bleiben soll. Aus Predazzo berichtet Melanie Muschong Auf den Moment der Medaillenzeremonie trainieren die olympischen Athleten jahrelang hin. Wenn sie dann endlich das Edelmetall um den Hals hängen haben, bricht meist die pure Freude aus ihnen hervor. Doch mit ihrem Jubel müssen sich die Sportler bei den Olympischen Spielen in Mailand und Cortina d'Ampezzo zurückhalten. Denn die erste Woche des sportlichen Großereignisses hat gezeigt: Die Medaillen sind fragil und können schnell kaputtgehen. Die Beispiele dafür sind inzwischen zahlreich. Als Erste war die schwedische Langläuferin Ebba Andersson betroffen. Ihre Silbermedaille hielt gerade einmal acht Minuten, ehe sich das Edelmetall vom Band löste. Nichtsahnend, dass es nicht nur an ihr lag, sagte die 28-Jährige zu Beginn der Spiele der schwedischen Boulevardzeitung "Expressen": "Es war wohl meine eigene Blödheit." Doch das Missgeschick passierte auch dem deutschen Biathleten Justus Strelow , der Bronze mit der Mixed-Staffel gewonnen hatte. Sven Hannawald zu Nachwuchsproblem: "Das kann es nicht sein" "Einfach unglaublich": Der Held der Olympischen Spiele Sportart vor dem Aus? Olympia-Stars kämpfen um ihre Existenz Abfahrts-Olympiasiegerin Breezy Johnson präsentierte die Einzelteile ihrer Medaille im Anschluss an ihren Erfolg auf der Pressekonferenz. Einer geschockten Emma Aicher raunte die US-Amerikanerin zu: "Springt nicht damit." Denn als Johnson das tat, löste sich der Stab, der Band und Medaille festhält. Den Sprungtest machte auch der Nordische Kombinierer Johannes Lamparter mit seiner Silbermedaille. In einem Video des ORF hüpft er hoch – und die Medaille ging kaputt. Der Österreicher konnte sie jedoch selbst wieder reparieren. Breezy Johnson hat zudem ihre Goldmedaille wieder. Sie schrieb auf Instagram: "Sie haben meine Medaille repariert. Ich habe mein Original zurückerhalten." "Die Medaille hängt ein bisschen schwer" Das Organisationskomitee hatte den betroffenen Athleten angeboten, die Medaillen zurückzugeben, damit sie restauriert und wiederhergestellt werden können. Das Problem ist den Athleten inzwischen bekannt. Der deutsche Skisprung-Olympiasieger Philipp Raimund sagte auf t-online-Nachfrage: "Meine ist heil geblieben, aber das liegt wahrscheinlich daran, dass ich sie die ganze Zeit in der Hand getragen habe. Ich war vorsichtig, würde ich sagen." Raimund betonte jedoch, dass die Medaille schwer sei. Auch Rodel-Olympiasieger Max Langenhan meinte: "Die Medaille hängt ein bisschen schwer. Ich habe ganz schön Nackenprobleme." Eine Goldmedaille wiegt 506 Gramm. Sie besteht seit vielen Jahren schon nicht mehr komplett aus Gold, sondern zu mindestens 92,5 Prozent aus Silber. Es müssen mindestens sechs Gramm Gold enthalten sein. Das einzige Mal, dass die Olympia-Goldmedaille aus reinem Gold bestand, war im Jahr 1912. Die Silbermedaillen sind aus reinem Silber. Die Bronzemedaillen bestehen dagegen aus Messing. Auch in Paris und Rio gab es Probleme Die begehrten Belohnungen für die ersten drei Plätze wurden für diese Spiele vom Istituto Poligrafico e Zecca dello Stato (IPZS) gefertigt, also der staatlichen Sicherheitsdruckerei und Münzprägeanstalt Italiens. Auf Nachfrage von t-online, warum einzelne Medaillen Fehler haben, reagierte das IPZS bisher nicht. Der Zustand der Medaillen ist bei Olympischen Spielen immer mal wieder ein Thema. Auch bei den Sommerspielen in Paris vor zwei Jahren beschwerten sich die Athleten im Anschluss. Allerdings ging es damals nicht um das Verbindungsstück zwischen Band und Medaille, sondern darum, dass die Medaillen anliefen oder die Beschichtung einzelner Medaillen abblätterte. Der amerikanische Skateboarder Nyjah Huston sagte in einem Video damals: "Selbst auf der Vorderseite splittert sie ab." Rund 100 Athleten gaben nach dem Großereignis in Frankreich ihre "Siegprämie" zurück, damit diese wieder repariert werden konnte. Der Prozess fand Anfang des Jahres 2025 statt. Auch nach den Sommerspielen in Rio de Janeiro 2016 gab es Beschwerden. Mario Andrada, Kommunikationsbeauftragter der Spiele in Rio, sagte damals Journalisten von "USA Today": "Wir sehen Probleme mit der Beschichtung bei etwa 6 bis 7 Prozent der Medaillen, und es scheint mit den Temperaturunterschieden zusammenzuhängen." Regelmäßig gibt es bei den Olympischen Spielen also Probleme mit dem Edelmetall. Doch Lösungen werden eigentlich immer gefunden. Der diesjährige Fall von Breezy Johnson hat zudem gezeigt: Die Reparatur kann manchmal sogar ganz schnell gehen.