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Winterspiele: Dank "Mamma" Lollobrigida: Italien im frühen Olympia-Glück

Mit Italiens Ski-Assen war zu rechnen. Dass aber die Großnichte von Gina Lollobrigida auf dem Eis für goldene Olympia-Euphorie sorgt, überrascht. So soll es weitergehen für die verzückten Gastgeber.

Zwei Medaillen schon im ersten Ski-Event, ein Sensations-Gold samt süßem Familien-Jubel und weiteres Edelmetall in Cortina und Livigno: So hatten sich die Gastgeber den Auftakt ihrer großen Olympia-Party vorgestellt. "Mamma, was für ein Italien", schwärmte die "Gazzetta dello Sport" auf der Titelseite über einem Foto von Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Francesca Lollobrigida, die Sohn Tommaso knuddelt und stolz die Medaille zeigt.

Daneben druckte das wichtigste Sportblatt des Landes - immer auch ein medialer Seismograph dafür, welche Themen nun wirklich wichtig sind - den Abfahrer Giovanni Franzoni, der in seine Silbermedaille beißt. Am Sonntag kamen dann noch weitere Medaillen im Ski alpin und Snowboard dazu.

Ärger über Krawalle, Spott für TV-Kommentator und Mariah Carey

So wollten sich die Italiener der Welt präsentieren - und waren in Person von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni entsprechend genervt, als es in Mailand zu Zusammenstößen von Protestierenden und der Polizei kam. Statt wie geplant "bella figura" zu machen, schrieb die rechte Politikerin bei Instagram, würden nun die Bilder der Krawalle "im Fernsehen auf der halben Welt" gezeigt werden.

Dabei hatten diese Spiele doch mit einer bunten Eröffnungsfeier begonnen, mit vielen Referenzen an die italienische Kultur samt einer Prise Selbstironie. Klar, es gab den kleinen Eklat um einen auffällig ahnungslosen TV-Kommentator im öffentlich-rechtlichen Sender Rai. Und auch die Häme für Mariah Carey blieb nicht aus, weil sie bei der Eröffnungsfeier den italienischen Klassiker "Nel blu dipinto di blu" - bekannter als "Volare" - nur dank kurioser Lautschrift vom Teleprompter ablesen konnte.

Lollobrigida begeistert als Gold-Mama

Aber all das war vergessen, als Lollobrigida auf dem Mailänder Eis sensationell zu Gold über 3.000 Meter lief. Sie, die Großnichte der weltberühmten Film-Diva Gina Lollobrigida, die schon ans Aufhören dachte. Sie, die wegen einer Virusinfektion zweifelte, ob es überhaupt reicht für die Spiele im eigenen Land. Sie, die ausgerechnet an ihrem 35. Geburtstag nochmal alle hinter sich ließ.

Sie, die für eine der jetzt schon prägenden Szenen dieser Winterspiele sorgte: Als der Gold-Coup perfekt war, stürmte Francesca Lollobrigida plötzlich aus dem Innenbereich der Eisbahn. Gleichzeitig schnappte sich ihre Schwester Giulia den kleinen Tommaso auf der Tribüne und rannte ebenfalls los. In den Katakomben fielen sich Mama und Sohn dann um den Hals. "Ich habe es auch für ihn getan, damit er eines Tages stolz auf mich sein kann - nicht nur, weil ich Olympiasiegerin bin, sondern für alles, was wir gemeinsam erreicht haben."

"250 Tage im Jahr von zu Hause weg"

In dem Land, in dem Frauen und Mütter oft in traditionellen Rollenbildern stecken und Familie und Beruf teilweise kaum vereinbar sind, war dieser Triumph fast schon historisch. Lollobrigida schilderte: "Wir sind mehr als 250 Tage im Jahr von zu Hause weg, daher muss mein Sohn mit Flügen, Hotelaufenthalten und so weiter zurechtkommen. Das war nicht einfach. Es erfordert Organisation. Es gibt mehr Tiefpunkte als Höhepunkte, aber dann bedeutet diese Medaille für sie umso mehr." Sie ist die erste Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Italiens.

Der kleine Tommaso hatte irgendwann übrigens keine Lust mehr, seine Mama bei deren Interview-Marathon mit den Journalisten zu teilen. Während Lollobrigida versuchte, auf Fragen zu antworten, zupfte der Filius an ihrem Gesicht und Stirnband herum und hielt ihr den Mund zu. Der Kleine wollte einfach weg. "Amore, warte kurz", sagte Lollobrigida - mit mäßigem Erfolg.

Auch Goggia und eine Snowboarderin jubeln

"Azurblauer Stolz, Talent und Entschlossenheit" schrieb Regierungschefin Meloni der neuen italienischen Eisschnelllauf-Queen zu. Diese Attribute trafen auch auf Franzoni und dessen Abfahrts-Kollegen Dominik Paris zu, die bei der Männer-Abfahrt Silber und Bronze geholt hatten. Tags darauf legte Sofia Goggia ebenfalls in der alpinen Königsdisziplin mit Bronze nach. Im Snowboard enttäuschte zwar Favorit Roland Fischnaller mit einem Viertelfinal-Aus - aber dafür holte in Livigno immerhin Lucia Dalmasso eine Bronzemedaille.

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