Seit Tagen massakriert die arabische RSF-Miliz die Bewohner von Al-Faschir im Westen des Sudan. Dabei schien die Terrormiliz schon so gut wie besiegt. Die Gräueltaten der RSF-Miliz in Al-Faschir sind sogar aus dem Weltall zu sehen. Satellitenbilder aus den vergangenen Tagen zeigen wachsende Leichenberge und Blutlachen in der Stadt im Westen des Sudans. Seit sich die sudanesische Armee am Sonntag aus Al-Faschir zurückgezogen hat, sind die etwa 300.000 Einwohner der Gewalt der arabisch geprägten Miliz schutzlos ausgeliefert. Dabei dokumentieren die Schlächter ihre Taten häufig selbst. Handyvideos aus der Stadt zeigen, wie bewaffnete Milizionäre Männer, Frauen und Kinder erschießen, manchmal zu Dutzenden. Allein in einer Geburtsklinik soll die RSF 460 Menschen massakriert haben . Satellitenbilder zeigten wachsende Haufen von weißen Gegenständen, bei denen es sich um Leichensäcke handeln soll. Was genau in diesen Stunden und Minuten in der Stadt geschieht, kann indes niemand mit Gewissheit sagen. Krise im Sudan : Die Drahtzieher der Eskalation sitzen wohl im Ausland "Alarmierende Berichte" : Experten befürchten Massaker im Sudan In Al-Faschir sollen sich noch fast 180.000 Menschen aufhalten Nach Angaben der UN sind seit Sonntag mehr als 33.000 Menschen vor den Kämpfen geflüchtet, die meisten von ihnen in die Gegend außerhalb der Stadt und nach Tawila. In dieser Stadt rund 70 Kilometer westlich von Al-Faschir sind demnach schon 650.000 Flüchtlinge angekommen. Etwa 177.000 Zivilisten halten sich laut UN aber noch in Al-Faschir auf. Die sudanesische Armee warf der RSF-Miliz die Hinrichtung von mehr als 2.000 Menschen vor. Augenzeugen, die aus der Stadt geflohen waren, berichteten von "Szenen eines Völkermords" an der nicht arabischen Bevölkerung in der Stadt. Diese in sozialen Medien verbreiteten Aufnahmen sollen Menschen zeigen, die aus Al-Faschir flüchten: Die humanitäre Lage in Al-Faschir war schon vor dem Einmarsch der RSF katastrophal. Mehr als 500 Tage lang hatten die "Rapid Support Forces" die Stadt belagert, keine Nahrungsmittel und Medikamente mehr hineingelassen. Schon lange beschreiben die UN die Lage im Sudan als die größte humanitäre Krise der Welt. Doch mit der jüngsten Eskalation der Gewalt wächst auch die Kritik an der internationalen Gemeinschaft, die abgesehen von Appellen an die RSF-Miliz bislang kaum auf den seit 2023 tobenden Bürgerkrieg im Sudan reagiert. In den Fokus geraten nun vor allem die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). "Dieser Krieg wäre längst vorbei ohne die VAE" Wie das "Wall Street Journal" unter Berufung auf US-Geheimdienste berichtet, hat das Land am Persischen Golf die RSF-Miliz seit dem Frühjahr massiv aufgerüstet. Moderne Drohnen aus China und Handfeuerwaffen, schwere Maschinengewehre sowie Fahrzeuge, Artilleriegeschütze, Mörser und Munition soll Abu Dhabi der Truppe geliefert haben. "Dieser Krieg wäre längst vorbei ohne die VAE", zitierte das "Wall Street Journal" Cameron Hudson, der verschiedenen US-Regierungen als Sudan-Experte diente. "Das Einzige, was die RSF am Leben hält, sind die Waffenlieferungen der VAE", so Hudson. Tatsächlich schien die Miliz im Frühjahr dieses Jahres weitgehend besiegt. Seit April 2023 kämpfte die RSF gegen die sudanesischen Streitkräfte um die Kontrolle der Hauptstadt Karthoum. 150.000 Menschen sollen seither in dem Krieg getötet worden sein. Im März dieses Jahres gelang es der Armee schließlich, die RSF aus der Hauptstadt und ihrer Umgebung zu vertreiben. In dieser Situation sollen die Emirate ihre Unterstützung hochgefahren haben, um eine weitere Schwächung der RSF-Miliz zu verhindern. Dabei sollen die Emirate vor allem ihre wirtschaftlichen Interessen im Sudan im Blick haben. Darum sollen die Emirate die RSF unterstützen Ein Grund für die Unterstützung der RSF durch die Emirate ist laut "Wall Street Journal" ein geplatzter Deal zwischen der sudanesischen Regierung und den Emiraten über einen Hafen am Roten Meer. Die Absage des Sudan soll die Emirate sechs Milliarden Dollar gekostet haben. Die VAE sollen etliche Milliarden im Sudan investiert haben, beispielsweise in den Goldabbau. Im Kampf um diese Ressourcen sollen sich die Emirate schließlich auf die Seite der RSF-Miliz gestellt haben. Die US-Regierung soll schon unter Präsident Joe Biden über die Rolle der Emirate im Sudan frustriert gewesen sein. Doch mit öffentlicher Kritik an der Regierung Abu Dhabi halten sich die USA noch immer zurück. Das dürfte auch daran liegen, dass die VAE als wichtiger Verhandlungspartner im Nahen Osten gelten. "Freibrief an die RSF und ihre Unterstützer" So gehören die Emirate neben Saudi-Arabien , Bahrain, Marokko und Sudan zu den Staaten, die 2020 im von den USA vermittelten Abraham-Abkommen Frieden mit Israel geschlossen haben. Auch bei den jüngsten Verhandlungen für einen Waffenstillstand in Gaza sollen die VAE eine konstruktive Rolle gespielt haben. Eine Einmischung in den Krieg im Sudan hat die Regierung in Abu Dhabi jüngst zurückgewiesen. Ob der internationale Druck auf die Emirate zunehmen wird, ist unklar. Bislang belassen es auch europäische Regierungen und die EU bei verbalen Appellen an die Kriegsparteien, ohne beispielsweise mit Sanktionen gegen die Verantwortlichen und ihre Unterstützer zu drohen. Die Politikwissenschaftlerin und Sudanexpertin Annette Hoffmann vom Clingendael Institut äußerte sich im ZDF frustriert über die internationalen Reaktionen auf das Grauen im Sudan. "Es ist ein weiterer Freibrief an die RSF, an ihre Unterstützer in den Vereinigten Arabischen Emiraten, dass sie solche Massenhinrichtungen und ethnische Säuberungen durchführen können, ohne mit internationalen Maßnahmen rechnen zu müssen", so Hoffmann.