Valposchiavo – Bernina Hospiz nach San Romerio !
Die Downhillmeter von gestern haben mich angefixt. Gästekarte in die Tasche und mit dem Postauto erneut rauf auf den Pass. Heute sind die Biketräger bereits besetzt, mein Mountainbike findet dank dem Chauffeur trotzdem irgendwie einen Platz im Bus. Kurz nach 0800 Uhr stehe ich erneut auf dem Pass dal Bernina beim Hospiz (2307m). Das Wetter ist trotz etwas diesiger Sicht weiterhin bestens. Ich folge der Route 436, die von Livigno nach Poschiavo führt.
Der alpine Singletrail am frühen Morgen braucht etwas Konzentration. Der Weg führt über den alten Säumerpfad hinunter nach Motta. Die Route führt in einem grossen Bogen ins Val Laguné, vorbei an idyllischen Kuhwiesen. Weniger idyllisch sind die kurzen Kuhdreckmatschtrails-Abschnitte. Ein weiterer Flowstop: Der Poschiavino führt zu viel Wasser um zu furten und so muss das Bike etwas umständlich über die Forcola di Livigno Passstrasse gehoben werden.
Auf Singletrails runter nach La Rösa, einer Saumstation aus dem 17. Jahrhundert, heute als Eventlokal genutzt. Ab hier geht es nun tatsächlich von schmalen Pfaden auf die regional typischen holprigen Karrwege. Mal langsamer, mal schneller verliere ich Höhenmeter. Das geht durchaus in die Arme und so bin ich froh um einen Kaffeehalt im Ristoro Buril (1698m).
Die Originalroute runter an die Passtrasse ist aktuell gesperrt und so geht es alternativ über die Route 32 hinauf zum Punkt 1773 oberhalb von Pozzol da Scelpez. Über Wanderwege, rund um Kühe rum und später über eine Alpweg, vernichte ich Höhenmeter bis auf 1433m bei La Spessa. Wunderbar der Ausblick über das Tal! Interessant zudem die sogenannten Crotti, kunstvoll aufgeschichtete Steinkühlschränke.
Es folgt ein erneuter Aufstieg auf den höhergelegenen Wanderweg um das Val Beton zu durchqueren. Die paar Spitzkehren sind theoretisch fahrbar, ich, beziehungsweise meine Beine, bevorzugen die Schiebevariante. Im Jo-Jo Modus führt die Route der Talflanke entlang, runter auf 1549m und wieder hinauf auf 1650m. Mittlerweile bin ich hoch über Poschiavo als ein weiterer Singletrail rechts leicht talwärts führt. Gefühlt endlos fährt es sich durch kleine Täler und teils schroffe Rüfen bis auf 1455m, nun auf der Route 433. Toll!
Fertig lustig, einmal mehr geht es steil den Bosch da Mota zwölf Kurven hinauf bis Sclupetoir auf 1909m, dem höchsten Punkt auf diesem Abschnitt. Die Aussicht nimmt zu, die Kraft umso mehr ab! Das gibt heute wieder über 1000 Höhenmeter und dafür bräuchte ich eigentlich einen Ruhetag, doch das Wetter ist viel schön.
Und immer weiter auf wunderbaren Trails durch den Bergwald. Obwohl der Weg auf der Karte die Höhe hält, ist es im Detail ein permanentes Auf- und Ab. Nach einer Kurve öffnet sich der Blick auf die Kirche San Romerio (1792m) und dahinter sieht man nach Tirano ins Veltlin runter. Mindestens so faszinierend wie die Lage über dem Abgrund ist die Geschichte der Kirche. Der Blick geht wieder in die Ferne: Was für eine Abfahrt, da muss erst ein halber Liter eiskaltes Citro den Zuckerpegel auffüllen.
Es folgt ein Downhill zum Lago di Poschiavo. Nach dem Routenbeschrieb gäbe es eine Variante über den Wanderweg. Ein Blick auf das Strava Overlay zeigt kaum Spuren von Mountainbikern. Das ist wohl nichts für mich und so nehme ich die sehr schön ausgebaute Schotterstrasse nach Garbella (1080m).
Ein letzter Singletrail und die Tour spukt mich in Miralago (965m) aus. Entspannt geht es entlang des Lago di Poschiavo und später auf dem Damm des Poschiavino zurück ins Borgo (1015m). Was soll ich sagen – eine epische Route vom Berninapass durch das Val Poschivao mit über 2500 Höhenmeter Downhill!
Statistik 49.7 km, ca. 1286 Höhenmeter, Fahrzeit 6:08 h, ca. 2585 Höhenmeter abwärts