„Serie heißt nicht umsonst best-of-five“
Vor Playoff-Spiel drei am Dienstag in Jena sieht Roland Nyama „viel Gutes“ bei seinen GIESSEN 46ers und „keinen Grund zum Heulen“.
Auch Nachteile haben Vorteile: Wer – wie Roland Nyama – länger auf der Bank sitzen muss, wer also geringere Einsatzzeiten hat, der hat im Umkehrschluss allemal einen besseren Überblick über das, was sich auf dem Parkett abspielt. „Die Serie heißt nicht umsonst best-of-five“, wollte der Deutsch-Kameruner, der sowohl beim 84:80-Erfolg am Donnerstag, als er 0:43 Minuten in den Statistiken stehen hatte, als auch bei der samstäglichen 77:87-Niederlage, als er 128 Sekunden mitmischen durfte, trotz des erneut wechselnden Heimvorteils keine Untergangsstimmung verbreiten.
Warum auch? „Es gibt keinen Grund zum Heulen“, ließ der 31-Jährige den Kopf nicht hängen. „Ich sehe viel Gutes. An das sollten wir uns erinnern, darüber sollten wir sprechen.“ Und nicht wegen einer Heimniederlage, der erst dritten in exakt 20 Partien dieser Saison, Trübsal blasen.
Recht hatte Roland L’Amour Nyama. Denn positive Aspekte gibt es auf Seiten der GIESSEN 46ers, die an diesem Dienstag (19.30 Uhr) in Partie drei des Playoff-Halbfinales der BARMER 2. Basketball-Bundesliga ProA erneut bei Science City Jena antreten, genug.
Beispielsweise a) die Vorfreude auf Partie vier am Donnerstag (20 Uhr) in einer dann hoffentlich wieder mit 3310 Besuchern ausverkauften Osthalle. Beispielsweise b) die Tatsache, dass niemand ausfällt und sich auch die zwischenzeitlichen Rekonvaleszenten wie Roland Nyama und Kevin McClain „good in shape“ zeigten. Beispielsweise c) die gute Verfassung von Kapitän Robin Benzing, dem Cheftrainer „Frenki“ Ignjatovic nicht nur wegen seiner zuletzt 17 Punkte bei vier versenkten Dreiern bescheinigt, dass sich „gerade in den Playoffs zeigt, auf wen ich mich verlassen kann.“ Beispielsweise d) das selbstbewusste Auftreten von Viktor Kovacevic, der in den beiden Halbfinals nicht nur rund 63 Minuten hart arbeitete, sondern dessen zusammen 25 Zähler und elf Rebounds sich sehen lassen können. Beispielsweise e) die aufsteigenden Formkurven von Energizer Luis Figge, Kevin McClain, Jonathan Maier und Aiden Warnholtz. Beispielsweise f) die weiterhin mehr als saubere Statistik bei Ballverlusten (10:11, 9:15), die Gießen gegenüber Jena bisher stets im Vorteil sah. Beispielsweise aber g) auch die Tatsache, dass bei Männern wie Mladen Vujic, Nico Brauner oder Simon Krajcovic noch mehr geht. Wesentlich mehr! Um es mit Luis Figge zu sagen: „Wir haben auf einigen Positionen unser Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft.“
Nun also Auftritt drei beim souveränen Hauptrunden-Meister, dessen Trainer Björn Harmsen Gießen in höchsten Tönen lobt: „Das wird bis zum Schluss eine ganz harte Nuss, wir bekommen nichts geschenkt. Die 46ers werden überragend gecoacht. Sie haben eine richtig gute Mannschaft zusammen, sie sind routiniert und stehen nicht umsonst in allen wichtigen Stats unter den besten Drei“, machte der 42-Jährige, der in der Saison 2011/12 in der Osthalle auf der Bank saß, aus seinem Herzen keine Mördergrube. Es war eine verbale Hymne, in die „Frenki“ Ignjatovic allerdinge nur bedingt einstimmen wollte: „Als Mannschaft stimmt das, in den individuellen Statistiken haben wir aber nicht mal jemanden unter den besten Fünf …“
Dafür aber ein Team beisammen, das unter den besten Vier steht. Und sich mit dieser Bilanz auch noch nicht zufriedengeben möchte: „Es ist eine offene Serie. Wir haben Jena schon einmal überraschend können, warum sollte uns dies nicht auch noch ein zweites Mal glücken?“, fragte Robin Benzing. Und Luis Figge ergänzte: „In Playoffs ist alles möglich.“ Auch ein zweiter Sieg in der thüringischen Optik-Stadt? „Natürlich. Dafür haben wir eine ganze Saison lang gearbeitet!“
Funfact am Rande: Ein Gießener Weiterkommen, also der Finaleinzug und die damit verbundene Bundesliga-Rückkehr, würde für Jenas Coach Björn Harmsen einen längeren Aufenthalt im heimischen Badezimmer mit sich bringen. Einige Förderer von Science City überredeten den Trainer nämlich während des Playoff-Viertelfinal-Sweeps gegen die VfL SparkassenStars Bochum, seinen Bart in der K.o.-Runde sprießen zu lassen. Aus gutem Grund: Schließlich hatte ein Rasur-Verbot für Harmsen den Saale-Städtern schon einmal Glück gebracht. 2016 avancierten Jenas Bartträger – das Motto lautete damals „Fear the Beard“ (Fürchte den Bart) – zum ProA-Meister und stiegen in die BBL auf. Das wollen die GIESSEN 46ers verhindern. Und zumindest Björn Harmsens Team am besten schon an diesem Dienstag in der Sparkassen-Arena ordentlich rasieren …
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