Auf dem Königsweg: Ärger um Prinzessin Märtha Louise und ihren Schamanen
Die norwegische Prinzessin Märtha Louise sorgt weiterhin für Unruhe im skandinavischen Königshaus. Das liegt auch an ihrem Verlobten, dem Schamanen Durek Verrett.
"Ein bisschen ein schwieriges Thema ..." nannte Thronfolger Haakon von Norwegen letzte Woche vorsichtig die derzeit gestörte Beziehung seiner Familie zum Verlobten seiner Schwester Märtha Louise, als er von Journalisten des öffentlich-rechtlichen TV-Senders NRK darauf angesprochen wurde.
Sein zukünftiger Schwager solle sich bei ihnen willkommen fühlen, müsse aber auch verstehen, wie es in einer stark von der öffentlichen Meinung abhängigen Institution wie der Monarchie laufe, wie man sich als Mitglied verhalten könne, und wie nicht. Diese internen Debatten wären auch Teil der lebendigen Demokratie, der sie alle angehörten, sagte der Kronprinz diplomatisch in dem Fernsehinterview – dabei ein eher angestrengt wirkendes Lächeln auf den Lippen.
Märthas zukünftiger Mann ist Durek Verrett, ein bisexueller schwarzer US-Amerikaner aus Los Angeles, der sich selbst als Schamane bezeichnet und insbesondere in Kalifornien als Star-Guru mit großer Anhängerschaft gilt. Er hat auch auf Instagram beachtliche 260.000 Follower. Dort hält er regelmäßig live esoterische Sitzungen mit "Seelen-Heilritualen" ab und preist Produkte wie angeblich Krebs oder Corona heilende Amulette an. Letztere bietet er für 222 Dollar (umgerechnet gut 224 Euro) auf seiner Website als "Spirit Optimizer" an.
Einblicke in sein Sexleben mit Prinzessin Märtha Louise
Dort beschreibt er sich auch als Heiler und spiritueller Führer. Dazu äußert er immer mal wieder schwer einzuordnende Behauptungen wie, er sei eine wiedergeborene, sehr alte Seele und im Übrigen zur Hälfte Mensch und zur Hälfte Reptil. In seinem Podcast legt er regelmäßig äußerst persönliche Bekenntnisse ab, so 2019 über sein Sexleben mit Prinzessin Märtha Louise, zum Entsetzten der Norweger.PAID Königsweg Atlantic Crossing_11.20Uhr
Und im Gefängnis war er nach eigener Aussage als Jugendlicher auch schon mal für zwölf Monate, weil er mit Freunden verbotenerweise in einem verlassenen Haus eine Party veranstaltet hatte und dann dort ein Feuer ausbrach. Wirklich nicht gerade der ideale, unbescholtene Schwiegersohn für König Harald.
Seit der Verlobung im vergangenen Juni hatte sich die norwegische Königsfamilie jedoch mit kritischen öffentlichen Äußerungen noch vornehm zurückgehalten, wenn es um den neuen Partner ihrer Tochter ging. König Harald, seine Gemahlin Sonja und das Kronprinzenpaar taten scheinbar alles, um den Neuzugang in der Familie trotz massiver Unterschiede in Lebensführung und Ansichten auf beiden Seiten in die Familie zu integrieren. Haakon und Mette-Marit luden ihn auch ganz selbstverständlich zum Staatsbankett aus Anlass des 18. Geburtstages ihrer Tochter Ingrid Alexandra Mitte Juni ins Osloer Schloss ein.
Doch so langsam häufen sich in hofnahen Kreisen Gerüchte, dass es hinter den Palastmauern immer häufiger heftige Auseinandersetzungen gebe.
König Harald spricht vom "clash of cultures"
Noch Ende August hatte sich auch König Harald zu der Kritik vieler seiner Landsleute an Durek Verrett beschwichtigend geäußert. Es sei ein "clash of cultures", ein Konflikt der kalifornischen im Gegensatz zur norwegischen Lebensart, der gerade zu Tage trete. Man befände sich derzeit miteinander in einem fruchtbaren Prozess des sich besser Kennenlernens, der sicher nach und nach alles Konfliktpotenzial auflösen werde.
Zwei Monate später scheint dieser königliche Familienaufstellungs-Prozess nicht die erhoffte harmonische Einigung gebracht zu haben. Vor allem die Frage, ob es für die Königsfamilie ein Problem darstelle, wenn Durek Verrett den königlichen Titel seiner Verlobten und seine nun bald enge verwandtschaftliche Beziehung zum Königshaus bei der Vermarktung von esoterischen Kursen und Produkten verwendet, ist abschließend beantwortet worden, aber nicht zu Dureks Zufriedenheit: Es wurde dem Paar untersagt, sich bei kommerziellen Aktivitäten auf royale Zusammenhänge zu beziehen.
Norwegische Königshausexperten hatten Verrett beschuldigt, aus seiner königlichen Verbindung Kapital schlagen zu wollen, sogar Parallelen zum Herzogspaar Sussex gezogen. Auch die hatten eine Rolle im – britischen – Königshaus mit kommerziell einträglichen Aktivitäten verbinden wollen. Das führte am Ende zum berühmt-berüchtigten "Megxit" inklusive des Verbots der verstorbenen Queen, die Titel "Königliche Hoheit" weiter zu führen und unter dem Markennamen "Sussex Royal" Produkte und Dienstleistungen anzubieten oder auch nur Social-Media-Kanäle zu betreiben.
Soll Märtha Louise der Prinzessinnentitel aberkannt werden?
Das norwegische Boulevardmagazin "Se og Hør" will sogar erfahren haben, dass König Harald erwäge, seiner Tochter den Prinzessinnentitel ganz abzuerkennen für den Fall, dass sie und ihr Verlobter sich uneinsichtig zeigen; dazu hätten auch bereits Gespräche stattgefunden.PAID Interview Sofia Helin_9.55
Denn eine neue Umfrage hat ergeben, dass die Mehrheit der Norweger es richtig fänden, wenn die derzeit Vierte in der Thronfolge auf ihren Titel "Prinzessin" verzichtet. 17 Prozent der Befragten sind der Monarchie gegenüber jetzt negativer eingestellt, als sie es noch vor einem Jahr waren – wobei viele die Beziehung zwischen Märtha Louise und Verrett als Grund dafür anführen. Grund genug für König und Kronprinz, Krisengespräche zu führen und die Verlobten in ihre Schranken zu weisen.
Derweil hat sich auch Verrett aus seiner Sicht über den Stand der Beziehungen mit seiner zukünftigen Schwiegerfamilie und seine Aufnahme in Norwegen geäußert. Der Sohn einer westindisch-norwegischen Mutter und eines haitianischen Vaters hat die wachsende Kritik an ihm auf Rassismus zurückgeführt. Die Norweger "wollen keinen schwarzen Mann in der königlichen Familie sehen", kein "Bridgerton im realen Leben", so wurde er in den Medien zitiert – letzteres eine Anspielung auf das Colourblind Casting der Netflix-Serie "Bridgerton" über Aristokraten in der Regency-Zeit in England. Die Prinzessin unterstützte ihn mit der Aussage, sie sei wirklich schockiert, wie er in ihrem Heimatland behandelt werde.
Verzicht auf die königliche Apanage
Märtha Louises Privatleben ist allerdings seit Langem schon ein gefundenes Fressen nicht nur für die norwegische Boulevardpresse. Schon mit Anfang 20 kam sie 1994 in die Schlagzeilen, wurde in einer Scheidungsklage als Ehebrecherin benannt. Es wurde behauptet, die begeisterte Turnierreiterin, die damals Mitglied in der norwegischen Springreiter-Nationalmannschaft war, habe eine Affäre mit einem verheirateten Briten, ebenfalls einem Springreiter, gehabt. Nur nachdem die Anwälte des Königs erfolgreich argumentiert hatten, dass sie als Mitglied des norwegischen Königshauses diplomatische Immunität genieße, war ihr ein Auftritt vor Gericht erspart geblieben.
Vor ihrer ersten Heirat im Jahr 2002 mit Ari Behn, einem bürgerlichen, politisch links eingestellten Schriftsteller, kündigte Märtha Louise dann an, dass sie auf ihre königliche Apanage aus Steuergeldern verzichten und durch geschäftliche Unternehmungen selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen würde. Ob diese Entscheidung freiwillig oder auf Druck ihrer königlichen Eltern getroffen wurde, blieb dunkel.Verlobung Norwegen 12.35
Ihre Berufstätigkeit begann ganz harmlos damit, dass die Prinzessin Lesungen mit Volksmärchen veranstaltete und ein Kinderbuch im Märchenstil schrieb mit dem Titel "Warum Könige und Königinnen keine Kronen tragen". Ein paar Jahre später jedoch machte sie auf andere, kontroversere Art von sich reden, als sie plötzlich öffentlich verkündete, dass sie mit Engeln sprechen könne. Später eröffnete sie dann mit einigem Erfolg eine "Engels-Akademie", in der Schülerinnen und Schüler diese Fähigkeit erlernen können sollten. Schon damals verzichtete Märtha Louise offiziell auf ihren Titel "Königliche Hoheit" und galt nicht mehr als "Working Royal", repräsentierte also nicht mehr bei offiziellen Terminen das norwegische Königshaus.
Das Ehepaar Behn bekam drei Töchter, die inzwischen alle im Teenageralter sind, ließ sich aber 2017 scheiden. Ari Behn, der seit langem an Depressionen gelitten hatte, beging zwei Jahre später Selbstmord.
Das Paar ging mit "The Princess and the Shaman" auf Tour
Die Beziehung der Prinzessin zu Verrett, die sich 2018 durch eine gemeinsame Freundin in den USA kennengelernt haben, sorgte für neue Kontroversen. Vor allem nachdem das Paar mit "The Princess and the Shaman" auf Tournee ging, einer Show für umgerechnet 130 Euro Eintrittsgeld, die dem Publikum "eine Reise in die Geheimnisse des Lebens" und "schamanische Übungen und Meditation" versprach. Immer wieder vertrat Verrett dabei auch umstritten Ansichten wie die schon 2019 in seinem Buch "Spirit Hacking" geäußerte Behauptung, dass Krebs bei Kindern entstehe, wenn sie unglücklich seien. Auch würde Chemotherapie gegen Tumorerkrankungen nicht helfen und von Ärzten nur verschrieben werden, um damit Geld zu scheffeln.Ari Behn 10.15
Dass er solche Behauptungen aufstellt und damit Geld verdient, ist nach Ansicht von Königshausexperten vor allem der Grund für seine Unbeliebtheit bei den Norwegern. Er erhalte zwar auch rassistische Kommentare auf seinem Instagram-Account, aber das Hauptproblem seien seine geschäftlichen Aktivitäten, an denen er auch die Prinzessin beteilige, schrieb unter anderem der renommierte Historiker Trond Norén Isaksen in der Osloer Tagesszeitung "Aftenposten": "Die große Mehrheit in Norwegen hält das für Quatsch und Quacksalberei. Und so ein Verhalten lässt sich nicht wirklich mit der Rolle der königlichen Familie vereinbaren, die eine vereinende und keine spaltende Kraft für die Nation sein soll."
In einem Interview mit dem britischen Magazin "Town and Country" Anfang Oktober erklärte Verrett, wie das Paar mit dieser massiven Kritik umgehe: "Es ist eine Herausforderung für die Menschen, etwas Neues zu sehen, sich über ihre Komfortzone hinaus zu entwickeln. Wir versuchen zu verstehen, wo die Menschen stehen, und Wege zu finden, mehr Aufklärung zu betreiben, damit diese Menschen beginnen können, die Dinge auch von einer anderen Warte zu sehen und offen für Veränderungen zu werden. Das erfordert eine Menge Empathie. Es erfordert viel Liebe und viel Geduld."
Pferde-Youtube-Kanal und Strickbekleidungslinie
Weiterhin sprechen die Prinzessin und ihr Schamane in dem Interview von ihrer besonderen Verbindung zur geistigen Welt, die ihnen helfen kann, Menschen zu befähigen, sich selbst zu heilen, oder, in Verretts Worten: "Sei dein eigener verdammter Guru" (das Motto seines Instagram Accounts). Märtha Louise und ihr Verlobter arbeiten nach eigener Aussage leidenschaftlich gerne zusammen, um Paaren zu helfen, erfolgreich zu kommunizieren und sich dabei gemeinsam weiterzuentwickeln. Denn sie haben in ihrer Beziehung, wie die Prinzessin es ausdrückt, "eine sehr tief empfindende Art, miteinander umzugehen".
Im Moment ist die Hochzeitsplanung dem Paar zufolge noch nicht sehr weit fortgeschritten, es gibt auch noch keinen Termin für den großen Tag. Beide arbeiten sowohl getrennt als auch gemeinsam an Projekten. Märtha Louise betreibt weiterhin ihren Pferde-Youtube-Kanal "Hest360". Außerdem hat sie 2020 mit zwei Freundinnen eine Strickbekleidungslinie namens "Hést" gegründet, und sie will weiterhin "spirituelle Kurse für hochsensible Menschen" anbieten. Verrett plant, seine schamanischen Rituale und Kurse bald ins Fernsehen zu bringen.
Was Märthas Familie zu den TV-Plänen des bald familieneigenen Schamanen sagt, wird in dem Interview nicht erwähnt. Um es mit Kronprinz Haakon zu sagen: Sie wird wohl ein bisschen schwierig bleiben, diese royale Familienaufstellung.