Schefflenz: Maßnahmen zum Rebhuhn-Schutzprojekt gestartet
Von Stephanie Kern
Schefflenz. Es ist ein fast historischer Schulterschluss, der ein einzigartiges Schutzprojekt ermöglicht: Im Schefflenztal ziehen Naturschützer und Jäger an einem Strang, um das Rebhuhn zu schützen. Eine Art, die vom Land Baden-Württemberg auf der roten Liste (also als vom Aussterben bedroht) geführt wird. Auf einer Fläche von 100 Quadratkilometern – von den Rändern der Gemarkung Seckach bis an die Ränder Mosbachs – reicht das Gebiet, in dem das Rebhuhn-Schutzprojekt beheimatet ist.
Eine Vorstellung des Projekts via Pressekonferenz gab es schon. Am Freitag erfolgten der offizielle Startschuss und die ersten Heckenpflegemaßnahmen in Schefflenz. "Wir haben hier die Chance, bei gezielten Schutzmaßnahmen einen Beitrag zu leisten", sagte eingangs der Schefflenzer Bürgermeister Rainer Houck. Die von ihm gelobte "breite Basis der Zusammenarbeit" wurde beim Starttermin durch die Anwesenden verdeutlicht: Nicht nur Naturschützer, auch Jäger und Vertreter der Behörden und beteiligten Kommunen (neben Schefflenz sind das Seckach, Billigheim, Elztal und Mosbach) waren zahlreich gekommen.
Gekommen ist auch der Landesminister für Ernährung, ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk. "Ich glaube, es wird ein tolles Projekt", sagte der CDU-Mann. Landesweit gebe es nur wenige Projekte, denen es gelungen sei, das Rebhuhn wieder heimisch zu machen. "Ohne die Prädatorenbejagung wird es nicht funktionieren", gab Hauk zu Bedenken. Auch die Bewirtschaftung sei nötig, um der "Zeigerart Rebhuhn" unter die Arme zu greifen. "Wo man nichts tut, wird das Rebhuhn verschwinden", so Hauk. Dazu gehöre auch, Hecken auf Stock zu setzen – auch wenn das für manch einen aussehen mag wie ein Kahlschlag. "Dazu gehört auch Mut."
Hauptursache für den drastischen Bestandsrückgang des Rebhuhns ist die stetige Intensivierung und Technisierung der Landwirtschaft. Wesentliche Ursachen sind der Verlust von Brutplätzen durch die großflächige Zerstörung von Hecken, Feldrainen und Brachen. Ohne diese kann das Rebhuhn nicht brüten. Auch Insektenmangel in den Feldern durch Pestizideinsatz sind ein Grund für den Rückgang der Art. Zudem sind die Rebhühner beliebtes Ziel von Jägern – tierischen. Durch die verarmte Landschaft und fehlende Strukturen wie eben Hecken ist es für Füchse ein Leichtes, die verbliebenen Rebhühner zu erbeuten.
"Wenn wir an bedrohte Tiere denken, denken wir automatisch an exotische Tiere", betonte Landrat Dr. Achim Brötel. Das Rebhuhn komme wohl niemandem in den Sinn – die Bestände haben sich aber seit den 1970er-Jahren um 90 Prozent reduziert. "Es ist ein stiller Tod", so Brötel. Von daher sei er dankbar, dass das Rebhuhn nun den erforderlichen Schutz bekomme. "Klasse, dass das Projekt von so vielen getragen wird." Jetzt gehe es darum, den Menschen die Maßnahmen und das Projekt zu erklären, um Verständnis zu werben – und auch, um weitere Unterstützer.
Elmar Werling von der ornithologischen Gesellschaft Neckar-Odenwald ist als einer der vielen Ehrenamtlichen im Projektboot und berichtete über die Anfänge des Schutzprojekts, das vom Regierungspräsidium Karlsruhe verantwortet wird. Auf etwa 150 bis 200 Hühner schätzt er die Vorkommen in der Region. Eines der größten in ganz Baden-Württemberg. "Der Bestand ist ein Rest. Aber mit den geeigneten Maßnahmen kann man ihn boostern", sagte Werling mit einem Augenzwinkern.
Peter Baust, Vorsitzender des Nabu Mosbach, beschrieb bei der Eröffnungsveranstaltung die drei Säulen des Projekts: Prädatorenmanagement, Landwirtschaft und Heckenpflege. "Auch mir blutet bei der Heckenpflege das Herz", räumte Baust ein. "Wir sind bestrebt, dass nicht alle radikal abgeholzt werden. Jede einzelne Hecke wird angesehen und bewertet", versicherte er. Seine Bitte an den Minister: zu überlegen, wie man das Projekt verstetigen könnte – auch finanziell. Denn bislang wird es über verschiedene Töpfe finanziert und eine Leader-Förderung wurde beantragt.
Andreas Sigmund, Geschäftsführer des Bauernverbands im Neckar-Odenwald-Kreis, war ebenfalls vor Ort. "Ausgedünnte Fruchtfolgen und lineare Strukturen tragen bestimmt dazu bei, dass es einen Rückgang der Art gibt." Sigmund nannte das Beispiel Blühmischungen. Die bereichern die Landschaft vielerorts zwar, durften aber bislang immer nur als einjährige Mischung gesät werden. Das wird sich ändern und damit wird es auch wieder Lebensräume für Niederwild geben. Die anstehenden Änderungen der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union böten viele Möglichkeiten, um innerhalb des Schutzprojekts Förderungen für Landwirte zu bekommen. "Spätestens ab dem Januar 2023", so Hauk.
Jan Wagner vom Hegering 4 berichtete, wie die Jäger die Rebhuhnpopulation schützen können. "Wir wollen die Jäger in den betroffenen Revieren auffordern, die Fuchsbejagung zu intensivieren und auch die Fallenjagd einzusetzen." Ethisch durchaus diskussionswürdig, das sehen auch die Projektteilnehmer so. Doch: Natürliche Regulation wird es nicht geben, denn der Nahrungsgeneralist Fuchs ist nicht auf ein bestimmtes Beutetier angewiesen. "Andere Projekte zeigen, dass es ohne die Regulation der Fuchspopulation nicht funktioniert", meinte Wagner. Manche der anwesenden Jäger hatten dann – wie Landwirte und Naturschützer – auch noch eine Bitte an den Landesminister: Finanzielle Unterstützung auch für die Jäger. Die Kosten für Lebendfallen könnten diese nicht aus eigener Tasche bezahlen.
Das Rebhuhn hat sich bei der offiziellen Eröffnungsveranstaltung übrigens nicht blicken lassen. "Es ist ein Heimlichtuer", sagte Elmar Werling. Werling gab auch das schnell erreichbare Ziel aus: 200 Brutpaare im ganzen Schutzgebiet. "Die Frage ist, wie wir das halten können. Das ist dann die eigentliche Arbeit", sagte Werling abschließend.