Baden-Württemberg: Minister Lucha fordert wegen Engpässen mehr Impfstoff von Spahn (Update)
Stuttgart. (dpa/lsw) Wegen des aktuellen Mangels von Corona-Impfstoff im Südwesten hat Sozialminister Manne Lucha (Grüne) einen Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geschrieben. Darin appelliere er, "die für Baden-Württemberg bereitgestellte Impfstoffmenge für die Impfzentren um 100 000 Impfdosen zu erhöhen und auf dem Niveau von 400 000 bis 450 000 fortzuführen", berichtet die "Schwäbische Zeitung" (Donnerstag).
"Leider halten die Impfstofflieferungen des Bundes nicht so mit, wie wir das brauchen. Ich wende mich mit der Bitte an Sie, bereits in der kommenden Kalenderwoche 19 dies nachzusteuern", heißt es in dem Schreiben des Ministers, das der Zeitung vorliegt. Bei Vollast könnten die Impfzentren in Baden-Württemberg 60 000 Menschen pro Tag impfen und somit 420 000 pro Woche.
Den Impfzentren im Land droht in der kommenden Woche ein Impfstoff-Engpass. Lucha hatte am Dienstag gesagt, Termine für Zweitimpfungen könnten zwar gewährleistet werden, für die Erstimpfungen zeichneten sich aber Probleme ab. In einigen Impfzentren könne das auch dazu führen, dass Termine für die erste Impfung abgesagt werden müssten, hatte ein Sprecher des Ministeriums ergänzt. Grund sei, dass die vom Bund in Aussicht gestellten Mehrlieferungen nicht in den Impfzentren ankommen.
Lucha verwies am Mittwoch nicht nur auf die Impfzentren, sondern auch auf den geplanten Start bei den betriebsärztlichen Impfungen. Hierfür sei zusätzlicher Impfstoff nötig.
Update: Mittwoch, 5. Mai 2021, 22.16 Uhr
Impfzentren droht Engpass
Ulm. (lsw/sös) Den Impfzentren im Land droht in der kommenden Woche ein Impfstoff-Engpass. Termine für Zweitimpfungen gegen das Coronavirus könnten zwar gewährleistet werden, sagte Sozialminister Manne Lucha (Grüne) am Dienstag. Für die Erstimpfungen in der nächsten Woche zeichne sich aber ein Engpass ab. In einigen Impfzentren könnte das auch dazu führen, dass Termine für die erste Impfung abgesagt werden müssten, ergänzte ein Sprecher des Ministeriums. Grund sei, dass die vom Bund in Aussicht gestellten Mehrlieferungen nicht in den Impfzentren ankommen.
Für das Impfzentrum Ulm und andere Impfzentren mit ähnlicher Situation im Land sei aber vorerst eine Lösung gefunden worden, wie es weiter hieß. So bekomme Ulm gut 3000 zusätzliche Impfdosen. "Diese stammen aus Impfzentren mit Rücklagen." Ein Sprecher des Impfzentrums Ulm sagte der Mitteilung zufolge: "Die schnelle und pragmatische Unterstützung des Ministeriums hilft kurzfristig. Aber langfristig bleibt es dabei: Wir könnten deutlich mehr verimpfen."
Der Medizinische Leiter des Impfzentrums Ulm, Bernd Kühlmuß, hatte zuvor gewarnt, dass am Freitag der Impfstoff von Astra-Zeneca ausgehe und nach dem Wochenende der von Biontech und Moderna. Dann müssten Tausende Impftermine abgesagt werden. Erst vor einigen Tagen habe man erfahren, dass nur noch 12.000 statt wie bisher 24.000 Dosen pro Woche geliefert werden. Impftermine würden aber immer mit Vorlauf vergeben. "Hätten wir das früher gewusst, hätten wir nicht so viele Termine eingestellt", sagte er.
"Die Serie der Impf-Ärgernisse reißt einfach nicht ab", sagte der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Landtag, Jochen Haußmann. Es sei völlig unerheblich, ob es sich um Erst- oder Zweitimpfungen handelt. "Minister Lucha muss sich einmal mehr fragen lassen, ob sein Impf-Management richtig ist."
Erstmals veröffentliche das Landesgesundheitsministerium am Dienstag die Impfquote bezogen auf die einzelnen Kreise. Die beste Quote hat hierbei der Landkreis Emmendingen vorzuweisen, hier haben 30,7 Prozent der Bevölkerung schon eine Erstimpfung in einem Impfzentrum erhalten. Die schlechteste Quote hat Pforzheim mit 11,9 Prozent. Laut Ministerium mache sich bei den Zahlen bemerkbar, dass die sozioökonomischen Bedingungen – etwa Arbeitslosigkeit oder das Bildungsniveau – einen Einfluss hätten. Mobile Impfteams sollten daher direkt in schwierige Quartiere fahren.
In der Rhein-Neckar-Region liegt die Impfquote im Rhein-Neckar-Kreis am höchsten: 25,0 der Bevölkerung haben hier die erste Dosis erhalten. Es folgen der Neckar-Odenwald-Kreis (22,2) und Heidelberg (22,0). Schlechtere Zahlen haben der Landkreis Heilbronn (20,0), Mannheim (17,9) und Heilbronn (16,1).
Landesweit liegt die Impfquote laut RKI bei 28,2 Prozent – allerdings sind hier auch die Impfungen bei Hausärzten erfasst, die im Kreisvergleich fehlen.