Mannheim: Wie mehr Informationen den RNV-Kunden helfen sollen
Von Harald Berlinghof
Mannheim. Auf den Gängen der Informatik-Abteilung der Hochschule Mannheim summt und brummt es, Touch-Screen-Bildschirme sind aufgebaut. Es wird diskutiert, was man verbessern könnte, erklärt, was man vorhatte, und besprochen, wie man weiter vorgehen will. Einmal in jedem Semester ist es soweit. Dann können Informatik-Studierende der Hochschule Mannheim ihre Projekte herzeigen, die sie gemeinsam mit ihren Hochschullehrern erarbeitet haben. Auf der Ausstellung "i-Expo", bei der das "i" für Informatik steht, sind dann die Ergebnisse eines "Forschenden Lernens" zu sehen, wie es Professor Till Nagel erklärt.
Er befasst sich schwerpunktmäßig mit Informationsvisualisierung. Und genau das ist es, was eine zehnköpfige Studentengruppe, bestehend aus neun Informatikern und einer Designerin, in ihrem Projekt über mehrere Wochen und in zahlreichen Workshops umgesetzt haben. Das Projekt mit dem Namen "PAXmotion" ist in Kooperation mit der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) erarbeitet worden. Die RNV stellt die Daten zur Verfügung, die Studenten "setzen sie ins Bild". Es ist übrigens nicht das erste Projekt, bei dem der Nahverkehrsanbieter die Studenten der Hochschule mit seinen Erhebungen versorgt. Dabei gab es immer gute Ergebnisse, sodass man sich im Vorfeld auch von diesem Projekt viel versprochen hat. Mit Recht, wie sich zeigt.
Sehen, ob noch Plätze frei sind in der Bahn
Die Daten, die die Studenten von der RNV erhalten haben, wurden in ein Visualisierungsverfahren eingebaut. Dabei handelt es sich um Aus- und Einsteigevorgänge sowie Fahrplan- und Verspätungsdaten der Straßenbahnlinie 1 über mehrer Monate hinweg. Die Linie fährt, zwischen dem Stadtteil Rheinau und dem Stadtteil Schönau, direkt an der Hochschule vorbei. In etwa zwei Dritteln der Bahnen sind Sensoren an den Türen angebracht, welche die Zahl der Fahrgäste registrieren.
Die Studierenden hatten nun die Aufgabe, das umfangreiche Zahlenmaterial grafisch aufzuarbeiten und so darzustellen, dass die RNV-Experten daraus einfacher ihre Schlüsse ziehen und die Daten leichter interpretieren können. Sie erhoffen sich daraus Rückschlüsse auf nötige Fahrzeuggrößen, Taktfrequenzen und das Fahrgastaufkommen. Immerhin hat man 2017 über zwei Millionen Kundenbewegungen in den mit Sensoren ausgestatteten Zügen der Linie 1 gezählt, wie Informatik-Student Henrik Lawall erklärt. Statt endloser Excel-Tabellen zeigen Kurven und bunte Punkte, an welchen Haltestellen und zu welchen Tageszeiten viele Personen ein- oder aussteigen, und wo und wann nur eine geringe Fluktuation festzustellen ist. Daraus lässt sich dann ableiten, wo Bahnen verspätet eintreffen oder wann ein Zug sehr voll ist.
Die RNV will die gewonnenen Erkenntnisse dazu nutzen, ihr Verkehrsangebot noch attraktiver zu machen und auf zusätzliche Bedarfe besser reagieren zu können. So könnten Fahrgäste beispielsweise schon an der Haltestelle sehen, ob es überhaupt noch Plätze gibt in der Bahn, auf die sie warten und sich gegebenenfalls für eine andere Verbindung entscheiden. "Das hat Potenzial", sagt Marcel Hebeler, der als Bereichsleiter bei der RNV für den IT-Service verantwortlich ist: "Wir werden darüber sprechen, wie es mit dieser Entwicklung weitergehen kann."