Neckargemünd: Kunst trifft alten Bahnhof
Von Anna Haasemann-Dunka
Neckargemünd. 16 Künstler machen "Zwischenstation" im Bahnhofsgebäude. Unter diesem Titel geben die Mitglieder der Künstlergruppe "Wie-Art Rhein-Neckar" morgen am Sonntag, 1. Juli, sowie am 8. Juli jeweils von 11 bis 18 Uhr Einblick in ihr Schaffen. Der Ausstellungstitel ist nicht nur in Bezug auf den Bahnhof gut gewählt; er erlaubt eine vieldeutige Aussage, die sich auf den momentanen Zustand des Gebäudes genauso bezieht wie auf die zeitlich begrenzte Präsentation der künstlerischen Arbeiten. Mit farbenfrohen Bildern, interessanten Objekten und einer ungewöhnlichen Rauminstallation setzen die Künstler Kontraste zum Weiß-Grau der Wände.
Die Ausstellung wurde mit einer Vernissage eröffnet, zu der Elfriede Breitwieser von Wie-Art begrüßte. Der Publikumszuspruch war groß. Claus Schäfer-Rosenfelder umrahmte mit seinem Saxofon gelungen die Veranstaltung. Mit der Kunst in den Räumen und an den Wänden trat er in einen Dialog, ließ sich von der Formen- und Farbensprache des Ausgestellten inspirieren.
Organisiert haben die Ausstellung Elfriede Breitwieser und Claudia Hennemann. Sie wurden dabei von Jochen Herrmann (Graffiti), Ausstellungskurator Klaus Bast und Michael Maier unterstützt. Ganz besonders erwähnte Elfriede Breitwieser unter den 16 Künstlern Elke Emma Edinger mit ihrem langen Wandbild, Ulrike Grimm, die mit ihrer Aufmachung ihre Bilder widerspiegelte, und Rainer Rühl und seine Objekte.
Nicht zu vergessen: das Künstlertrio Anna-Katharina Ziss, Raimund Stephan und Ela Städter, das sich "Akastephela" nennt. Der Ausstellungstitel "Zwischenstation" reflektierte nämlich in besonderem Maße die Rauminstallation dieses Trios. Damit sprachen die Vier beinahe alle Sinne an, sodass auch von einer vierdimensionalen Installation die Rede war. Ganz bewusst beließen die Künstler den früheren Gastraum der Bahnhofsgaststätte in seinem vorgefundenen Zustand und möblierten ihn ihrer künstlerischen Intention entsprechend.
Drei Szenen gilt es in dem renovierbedürftigen Raum mit nostalgischem Charme zu entdecken. Auf einer Bahnhofsbank deuten zurückgelassene abgenutzte Kleidungsstücke und eine leere Schnapsflasche die Anwesenheit eines Obdachlosen an. Müll findet sich in einer Ecke, den Reisende achtlos weggeworfen haben. Vor dem alten Tresen der Bahnhofskneipe stehen abgestellte Koffer. Utensilien und Kleidung weisen auf Reisende hin. Als Kontrast dazu wirkt in einem anderen Teil des Raumes der aufgedeckte Tisch mit Goldrandgeschirr. Essensgeruch liegt in der Luft. Ein Gedeck ist benutzt, das zweite unangetastet. Das Arrangement umrahmen Klavierklänge, immer wieder übertönt durch den Lärm eines vorbeirauschenden Güterzugs oder der Bahnhofsdurchsage.
Nicht nur auf Bürgermeisterstellvertreterin Anne von Reumont wirkte die Szenerie außerordentlich anregend und inspirierend, wie sie bekundete. Die Rauminstallation führte die Betrachter zurück in Erinnerungen ihres eigenen Lebens - und das auf irritierende und emotionale Weise.
Was nach der Ausstellung mit dem Bahnhof passieren soll, verrieten Eigentümer Ralph Dreher und Claus-Heinrich Mohr, Geschäftsführer von Dombrowski Massivhaus. Das Unternehmen ist mit der Sanierung und dem Umbau des Bahnhofsgebäudes betraut. Ralph Dreher und Claus Heinrich Mohr wollen aus dem denkmalgeschützten Bahnhof einen Anziehungspunkt in Form eines Wohn- und Geschäftshauses machen.