Vom Labor in die Kneipe: "Pint of Science" zum ersten Mal in Heidelberg
Von Lilly von Consbruch
Heidelberg. Wissenschaft ist kompliziert und ausschließlich etwas für Experten. Doch stimmt das wirklich? Die Organisatoren des "Pint of Science" sind anderer Meinung: Um wissenschaftliche Themen jedermann zugänglich zu machen, bringen sie seit 2012 Forscher in die Bars von über 150 Städten weltweit. Zum ersten Mal war jetzt auch Heidelberg dabei - mit Erfolg, denn die drei Abende waren ausverkauft.
"Ich traf in England die Gründer des Pint of Science und wollte so etwas auch hier veranstalten", berichtet Camilla Reali. Die Neurowissenschaftlerin stellte daraufhin ein Team zusammen. "Wissenschaft spielt in Heidelberg eine große Rolle", sagt Megan Stanifer, Forscherin an der Universität Heidelberg. "Wir haben hier eine Vielfalt an Themen, die auch für Nicht-Wissenschaftler von großem Interesse sind", fährt sie fort.
In der Pause ein DNA-Cocktail
Eine Herausforderung für die Redner sei es, ihr Wissen so vorzutragen, dass es auch für Laien verständlich sei. "Meine Studenten müssen in der Lage sein, in drei verschiedenen Weisen über ihre Arbeit zu reden", sagt Stanifer. Sie müssten sie mit Vorgesetzten und Experten besprechen können, mit Kollegen, die sich mit anderen Themen beschäftigen - und sie ihrer Großmutter erklären können. "Heute tun die Redner so, als wären wir hier alle ihre Großmütter - so kann jeder verstehen, worum es geht", lacht Stanifer.
Dr. Theodore Alexandrov und Dr. Ina Huppertz vom Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) wurden als erste vom Labor in die Kneipe geholt. Im Irish Pub "O’Reilly’s" in Neuenheim brachten sie den Gästen unter dem Motto "Kleine Moleküle, große Daten" ihre Themen näher. Huppertz forscht seit 2015 an dem direkten Zusammenhang zwischen Stoffwechsel und Genregulierung. "Genregulierung spielt eine enorme Rolle, vor allem bei metabolischen Erkrankungen", erläutert sie. Bisher sei man davon ausgegangen, dass die beiden Prozesse sich nur indirekt beeinflussten. "Das stimmt aber nicht, es gibt da eine direkte Verbindung", erklärt Huppertz den Gästen. Wie funktioniert Genregulierung eigentlich? "Wie eine große Bibliothek", meint sie: "Da kann man keine Bücher rausnehmen, deshalb müssen sie kopiert werden." Wenn dabei Informationen verloren gehen, scheitert die Genregulierung. "Für mich ist es total bereichernd, mit Menschen über Wissenschaft zu reden, die sich damit sonst nicht beschäftigen", meint Huppertz, die häufiger außerhalb ihres Instituts referiert.
Für Alexandrov ist der Vortrag eine neue Erfahrung: "Ihr seid hier alle ganz entspannt, nicht so wie mein wissenschaftliches Publikum", lacht er, bevor er mit seinem Vortrag über Moleküle beginnt, mit denen man täglich in Kontakt kommt. Wie untersucht man den Stoffwechsel von Zellen und was lernt man aus diesen Daten? "Ich kann zum Beispiel bestimmen, welches Shampoo ihr letzte Woche benutzt habt", sagt Alexandrov.
In der Pause ruft Megan Stanifer dazu auf, sich einen DNA-Cocktail zu mischen. Mithilfe von hochprozentigem Alkohol können die Gäste das Erbgut von Erdbeeren herausfiltern, sodass dieses in Form von Fäden im Glas sichtbar wird. "Ich hätte nicht gedacht, dass Wissenschaft so lustig sein kann", meint eine Besucherin.