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FCAS scheitert: Mit diesen Ländern könnte Deutschland einen Kampfjet bauen

Die Bundesrepublik hat Kampfjets stets mit befreundeten Ländern entwickelt. Nach dem Scheitern von FCAS steht die Koalition vor einer riskanten Entscheidung. Sein Scheitern hat sich lange angekündigt, nun steht das Rüstungsprojekt FCAS endgültig vor dem Aus . Frankreich , Deutschland und Spanien wollten gemeinsam einen neuen Kampfjet entwickeln, doch die beteiligten Firmen konnten sich nicht auf ein konkretes Konzept für das Future Combat Air System (FCAS, "Kampfjet der Zukunft") einigen. Zu unterschiedlich waren die Anforderungen, die Berlin und Paris an FCAS stellten. Kanzler-Berater in Paris : Deutschland verhandelt wohl über atomare Abschreckung Einstieg bei Panzerschmiede KNDS : Deutschland und Frankreich einig 2017 verkündeten Deutschland und Frankreich den Beginn des Projekts, Spanien stieß 2019 dazu. Ziel war die Entwicklung eines Kampfjets der sogenannten sechsten Generation, der ab 2040 Deutschlands und Spaniens Eurofighter-Flotte und Frankreichs Rafale-Jets ablösen sollte. Doch schon in dieser Anforderung liegt das Grundproblem, an dem FCAS jetzt gescheitert ist. Schon beim Eurofighter stieg Frankreich aus Die in den 1980er-Jahren entwickelte Rafale ist für die Stationierung auf Frankreichs Flugzeugträger Charles de Gaulle ausgelegt. Aus französischer Perspektive sollte auch FCAS auf der Charles de Gaulle starten und landen können. Der Eurofighter dagegen ist ein rein landgestützter Kampfjet, der vor allem als Jagdflugzeug für den Luftkampf gegen die Armeen des Warschauer Pakts ausgelegt ist. Aus deutscher und spanischer Sicht sollte auch FCAS vor allem als Jagdflugzeug dienen. Mit dem Scheitern von FCAS wiederholt sich nun gewissermaßen die Entwicklungsgeschichte von Rafale und Eurofighter. Denn ursprünglich war auch Frankreich an der Entwicklung des Eurofighters beteiligt, stieg aber 1987 aus dem Projekt aus und baute schließlich im Alleingang die Rafale. Deutschland, Großbritannien , Italien und Spanien dagegen trieben die Entwicklung des Eurofighters voran, der 2006 in Dienst gestellt wurde. Dassault wollte FCAS-Kampfjet praktisch allein bauen Wie bei FCAS war auf französischer Seite schon beim Eurofighter die Firma Dassault Aviation federführend. Ein Grund für den Ausstieg Frankreichs 1987 war die Forderung von Dassault, bei der Entwicklung des Eurofighters die Führung und 50 Prozent des Arbeitsanteils zu übernehmen. Auch bei FCAS beanspruchte Dassault zuletzt den Löwenanteil bei Entwicklung und Produktion, offensiv vorgetragen vom selbstbewussten Konzernchef Eric Trappier . Wäre es nach Trappier gegangen, hätte Dassault den FCAS-Kampfjet praktisch allein gebaut. Dem Partner Airbus wäre nur die Entwicklung der Begleitdrohnen und des Datennetzwerks geblieben, das FCAS die Kommunikation mit anderen Waffensystemen ermöglichen sollte. Die Bundesregierung dagegen bestand darauf, dass Airbus auch am Bau des FCAS-Kampfjets beteiligt wird. Dabei ging es auch um den Transfer von Spezialwissen, das für den Bau eines modernen Kampfjets nötig ist. Auch die Alternativen zum FCAS sind problematisch Denn während Frankreich sehr wohl in der Lage ist, einen Kampfjet eigenständig zu entwickeln und zu bauen, fehlt der deutschen Industrie dafür entscheidendes Know-how – zum Beispiel für den Bau des Cockpits oder der Tarnkappen-Komponenten. Die Bundesrepublik hat ihre Kampfjets stets in Zusammenarbeit mit befreundeten Ländern entwickelt, während Frankreich größeren Wert auf strategische Autonomie legte. Nun muss Deutschland womöglich viel Geld aufbringen, um diese Fähigkeiten selbst zu entwickeln. Denn auch die Alternativen zum FCAS sind problematisch – und angesichts der russischen Aggression drängt die Zeit. Tut sich Deutschland jetzt mit Schweden zusammen? Eine Möglichkeit wäre eine deutsche Beteiligung am Kampfjet-Projekt GCAP (Global Combat Air Programme), das Großbritannien, Italien und Japan vorantreiben. Auch GCAP soll ein Kampfjet der sechsten Generation werden. Eine deutsche Beteiligung an GCAP wäre aber nicht weniger kompliziert als bei FCAS, zumal die an GCAP beteiligten Länder ihre Anteile an Entwicklung und Produktion bereits abgesteckt haben. In Fachkreisen gilt eine Beteiligung an GCAP daher als eher unwahrscheinlich. Als weitere Alternative zu FCAS steht eine Kooperation zwischen Airbus und dem schwedischen Rüstungskonzern Saab im Raum, der mit dem Gripen bereits einen erfolgreichen Kampfjet hervorgebracht hat . Nach Angaben des Fachportals "The War Zone" haben Airbus und Saab kürzlich bereits eine Zusammenarbeit bei Komponenten des FCAS ausgelotet. Nach dem Scheitern von FCAS könnten sich Airbus und Saab nun zur Entwicklung eines Kampfjets der sechsten Generation zusammentun, heißt es. Diese Vorteile hätte ein deutscher Alleingang Eine Zusammenarbeit mit Schweden hätte mehrere Vorteile. Die finanziellen, zeitlichen und industriepolitischen Reibungsverluste wären wohl geringer, wenn sich nur zwei Länder auf das Endprodukt einigen müssten. Obendrein gilt Saab im Gegensatz zu Dassault als leichterer Kooperationspartner. Mit dem US-Konzern Boeing hat Saab zuletzt etwa den Trainingskampfjet eT-7A Red Hawk entwickelt. Auch durch die Modernisierung deutscher Fregatten hat sich Saab hierzulande bereits einen guten Ruf erworben. Scheitern könnte eine Kooperation mit Schweden wohl ebenfalls an unterschiedlichen militärischen Anforderungen an den künftigen Kampfjet. Bislang haben sich auch weder Schweden noch Deutschland zur Möglichkeit einer Zusammenarbeit geäußert. Unklar ist auch, wann eine solche Entscheidung fallen könnte. Wenn es der Bundesregierung vor allem um Tempo geht, bliebe noch die Möglichkeit eines Alleingangs. Die Entwicklung eines eigenen Kampfjets dürfte schneller gehen, da es keine langwierigen Abstimmungsprozesse zwischen den beteiligten Armeen und Firmen bräuchte. Den Steuerzahler würde ein Alleingang zwar mehr Gold kosten, da es am Ende weniger Länder gäbe, die den Kampfjet kaufen; aber die Bundeswehr würde schließlich eine Maschine erhalten, die auf ihre Zwecke ausgerichtet ist. Fehlende Komponenten und Technologien könnte Deutschland bei Partnern beschaffen, gleichzeitig aber Arbeitsplätze und technisches Wissen im Land halten. Klar ist derzeit lediglich, dass die Bundesregierung mit dem Scheitern von FCAS nun ein weiteres verteidigungspolitisches Problem vor sich hat.

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